netzeitung.deVattenfall stoppt Ausbau von AKW Forsmark

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Die beiden Blöcke des AKW Forsmark in Schweden (Foto: Vattenfall<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die beiden Blöcke des AKW Forsmark in Schweden
Foto: Vattenfall
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Angeblich fiel die Entscheidung schon im Dezember: Wegen massiver Kritik an der Sicherheit im Störfall-AKW Forsmark wird die Anlage vorerst nicht erweitert.

Die Kapazität des schwedischen Atomkraftwerks Forsmark wird vorerst nicht erweitert: Entsprechende Pläne seien gestoppt, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Vattenfall am Mittwoch in Stockholm. Intern sei die Entscheidung bereits im Dezember gefallen, betonte er.

Der Sprecher trat damit der Vermutung entgegen, die Veröffentlichung eines internen Prüfberichts über den Störfall in Forsmark im Juli vergangenen Jahres im schwedischen Fernsehen – in dem Mitarbeiter des Unternehmens über einen «Verfall der Sicherheitskultur» klagen – stecke hinter den Entscheidung. Bei dem Störfall im Reaktor 1 der Anlage war nach einem Kurzschluss die Notstromversorgung nicht automatisch angesprungen. Mehr als 20 Minuten hatte die Bedienungsmannschaft keine Kontrolle über die Kernschmelze.

Vor der Kernschmelze?
Zuletzt erstattete die Atomaufsicht SKI Anzeige gegen die Forsmark-Leitung, weil der Reaktor erst einen Tag nach dem Störfall heruntergefahren worden sei. Bereits im November hatte das Gremium moniert, die Anlage werde mit zu hoher Leistung betrieben.

Vattenfall hatte die Anlage ausbauen wollen – auch weil die im vergangenen Jahr ins Amt gelangte konservative Regierung den gefassten Beschluss, grundsätzlich aus der Atomenergie auszusteigen, scheinbar nicht umsetzen wollte. Am Mittwoch schaltete sich indes Umweltminister Anders Carlgren in die Debatte ein und stellte klar, die Vorgänge hätten seine generelle Skepsis gegenüber der Atomkraft bestätigt.

Kernkraft-Kritiker hatten bereits bei dem Störfall im Sommer behauptet, in Forsmark habe sogar eine Kernschmelze gedroht. Die Befürchtungen werden durch den im TV veröffentlichten internen Vattenfall-Bericht gestärkt: Er listet nicht weniger als 22 Unglücksfälle und 68 geringfügige Zwischenfälle allein für die jüngste Vergangenheit auf. Auch im zweiten Reaktor der Anlage habe es Probleme gegeben: Bei der Renovierung habe es mehrere Unfälle gegeben, die auch zu Todesfällen hätten führen können.

Betrunken im Dienst
Die offenbar laxe «Sicherheitskultur» wird in dem Bericht mit einer Stichprobe unter Mitarbeitern belegt: Bei einem Test hätten drei von 25 Mitarbeitern unter Alkoholeinfluss gestanden, hieß es. Forsmark-Techniker werden mit Beschwerden über «inakzeptable Qualitätsmängel» zitiert. Fehler in der Technik würden gar nicht erst an die Werksleitung gemeldet – und wenn, würden nicht die notwendigen Schlüsse gezogen. (nz)